Yvonne Giger – «Tag für Tag»

 

Vernissage: 23. April 2010, ab 18 Uhr, gepard14

Öffnungszeiten: 24./25. April 16-20 Uhr

 

Yvonne Giger (*1958) beschäftigt sich in ihrer künstlerischen Arbeit bei gepard14 hauptsächlich mit Trivialitäten des Alltags.
Der Ausstellungstitel «Tag für Tag» unterstreicht den Aspekt der Wiederholung in Gigers Werken und die Thematik von Handlungsabläufen, Gegenständen und Bildern die uns tagtäglich begleiten und  bewusst oder unbewusst wahrgenommen werden. So werden immerwährende Situationen und Stimmungen mittels Medium Malerei festgehalten. Ein werkübergreifendes Element bildet die Unschärfe im Abbildungsprozess der trivialen Motive. Ausserdem zeigt Yvonne Giger bei gepard14 erstmalig eine Reihe von fotografischen Überlagerungen, die eine spannende, in sich ambivalente Bildhaftigkeit erlangen.

 


 

Yvonne Giger - «Tag für Tag»

 

Yvonne Giger (*1958 in Biel) setzt sich im gepard14 in erster Linie mit der Dinghaftigkeit des Alltages auseinander. Ausgangspunkt für ihre künstlerische Arbeit bildet das Triviale, das Unspektakuläre und das Objekthafte im tagtäglichen Leben. In der Ausstellung «Tag für Tag» präsentiert Yvonne Giger uns eine Reihe von Kunstwerken, die die Thematik von Handlungsabläufen, Gegenständen und Bildern aufgreifen, die uns Tag für Tag begleiten und bewusst oder unbewusst wahrgenommen werden. Entstandene Situationen und Stimmungen werden mittels diversen Techniken und Materialien, sowie dem Prinzip der Wiederholung, in den Kunstkontext gerückt. Jedoch nicht durch detailgetreuen Realismus sondern einer objektiven Sicht auf Nebensächliches und Unbeachtetes im Alltag. Die technische Ausführung von gewollter Unschärfe erzeugt als werkübergreifendes und entfremdendes Element eine partielle Überlappung von verschieden voneinander getrennten Lebensbereichen. Zum einen werden klein- und grossformatige Acrylbilder von gewöhnlichen Alltagssituationen gezeigt. Der Kontrast von s/w dient Giger gleichermassen wie der dynamische Pinselduktus als eloquentes Mittel für die Ausdifferenzierung der verschwommenen Bildinhalte. Durch die Kombination entsteht eine anonymisierte Stimmung in den diffus festgehaltenen Situationen des täglichen Lebens. Die stärkste Referenz zum Ausstellungstitel «Tag für Tag» lässt sich in der Serie der quadratischen Bilder nachweisen. Die abgebildeten Tablettenblister fungieren als Symbol für eine Handlung, die in der Regel von Tag zu Tag absolviert werden muss. Damit wird der Automatismus in der Handlung thematisiert, der so selbstverständlich für uns ist und dadurch eine gewisse Ausdruckslosigkeit widerfährt. Um dem fehlenden Ausdruck eine sinnbildliche Gestalt zu geben, versucht Yvonne Giger in ihrer seriellen Produktion die individuelle Ausbuchtung von Tablettenblistern und deren repetitiver Charakter mittels unterschiedlicher Farbigkeit dezent zu untermalen. Ein Novum in Gigers Ausstellungspraxis bilden die rein fotographischen Arbeiten im Postkartenformat. Nutzt Yvonne Giger die Fotographie oftmals als Ausgangpunkt für ihre Malerei, so wird sie im gepard14 erstmalig als Nebenprodukt in Erscheinung treten. Zwei unterschiedliche Fotographien werden einer Überlagerung unterzogen, die eine ambivalente Bildhaftigkeit erzeugt. So vermögen die doppeldeutigen Motive den Betrachter auf den ersten Blick in die Irre zu führen. Auf den zweiten Blick lässt die Komposition zwei verschiedener Bildinhalte eine neue, expressive Situation entstehen. In diesen Arbeiten lässt sich der Aspekt der Unschärfe in aller Deutlichkeit ausmachen und trägt einen wesentlichen Beitrag zur Entfremdung der jeweils solitären Bildmotive bei. Die Raumgrösse und Lichtverhältnisse im Gast-Atelier gepard14 boten Yvonne Giger die Möglichkeit, bestehende Arbeiten neu zu interpretieren und gesammelte Ideen umzusetzen. Ausserdem ermutigte sie das neue Umfeld, experimentierfreudig mit Formaten und Materialien umzugehen. So wirken die ausgewählten Bildträger, MDF-Platten und Packpapier ebenso die Blister Sichtverpackung, als gestalterische Referenz für ein alltägliches Gebrauchsmaterial.

 

Arbeiten aus dem Werkzyklus von Yvonne Giger waren zuletzt bei der Jahresausstellung im Kunstmuseum Olten (2007, 2009) und der Weihnachtsausstellung im Centre Pasquart in Biel (2009) sowie an der art incognito in der Galerie du Soleil, Saignelégier (JU) 2006 und 2008 zu sehen.

 

Michael Sutter