Die Ateliers sind offen


 

Unter dem Motto Pulk waren am Sonntag 29. April 2012 zahlreiche Ateliers in der Stadt Luzern für die Öffentlichkeit zugänglich.

 

Luzern, Sonntag 29. April 2012: Um zwölf Uhr öffneten sich in der ganzen Stadt Luzern die Tore zu den heiligen Produktionsstätten der Kunst: den Ateliers. Rund 100 Teilnehmer haben sich dafür entschieden, ihre Arbeitsräume für Kunst- und Kulturinteressierte der Luzerner Bevölkerung für einen halben Tag zugänglich zu machen. Alle möglichen Orte zu sehen, erschien schon nach dem ersten Besuch in der Ateliergemeinschaft Geissensteinring 14 ein Ding der Unmöglichkeit. Drei verschiedene Kunstschaffende an einem Ort heisst auch gleichzeitig drei verschiedene Arbeitsweisen, Materialien, Atelierausstattungen, Dokumentationen, Endprodukte etc. Diese Einsicht zog sich durch den gesamten Spaziergang von der Luzerner Allmend, über das Quartier um die Industriestrasse, die Atelierplätze in der Neustadt bis hin zu den Kunstwerkstätten Bildzwang und das Gelbe Haus, gelegen am Reussport Richtung Emmenbrücke.

Innerhalb der Kulturpolitik der Stadt Luzern momentan ein oft diskutiertes Thema ist die vielseitige Kreativwirtschaft rund um die Industriestrasse. Neben dem Vorkommen kleingewerblicher Betriebe sind die Räumlichkeiten an Kunstschaffende aus allen erdenklichen Genres vermietet. Fotografen, bildende Künstler, Bildhauer, Animations- und Puppentrickfilmer, Konzeptkünstler und viele mehr haben sich im Lauf der Jahre einen improvisiert wirkenden, doch in allen Belangen gemütlich anmutenden Tempel der Kunstproduktion erschaffen. Vor allem die verwinkelten Räume und Treppenaufgänge machten die Entdeckungstour für die Besucher zu einer interessanten und zeitaufwändigen Erfahrung. Ebenfalls eine Ateliergemeinschaft bildet der Werkverein Bildzwang, der seit den späten 1980er Jahren in einer ehemaligen Darmfabrik an der Reussinsel 59 gelegen ist. Mehrheitlich arrivierte Künstlerinnen und Künstler ab einem gewissen Alter haben sich ihre Arbeitsstätten mit viel Charme und Erfindergeist eingerichtet. Ob Versuchsanordnungen für Materialforschung, Holzwerkstätten, Lagerräume oder Gemeinschaftsküchen, im Bildzwang haben sich eine Vielzahl bildender Künstler eine Umgebung geschaffen, die eine gute Voraussetzung für ein professionelles Kunstschaffen ist.

Das Gelbe Haus, ehemaliges Schwesternhaus des Kantonsspitals Luzern und Asylheim, beherbergt Wohnateliers und Arbeitsräume für zwölf mehrheitlich junge Künstlerinnen und Künstler. Das Haus gleicht einer überdimensionierten Wohngemeinschaft auf drei Stockwerken, welche überaus reich an dekorativen Elementen und spielerischen Kleinigkeiten ist. Die Bewohnerinnen und Bewohner haben sich mit den notwendigen Ressourcen für ihre Arbeiten regelrechte kleine Oasen eingerichtet, die an Individualität kaum zu überbieten sind. Gemeinschaftsräume wie die Küchen oder der grosse Garten bilden nachhaltige Synergien zwischen den Künstlern, die schon einige interdisziplinäre Projekte hervorgebracht haben.

Nicht zu vergessen sind auch alle Einzelkämpfer unter den Künstlern, die ihre Ateliers in Privatwohnungen, Garagen oder Zwischennutzungen aufgebaut haben. An diesen Örtlichkeiten wurde man bei Bedarf vollumfänglich über bestehende oder geplante Arbeiten informiert und konnte in einer lockeren Atmosphäre ungeniert Fragen stellen. Im Allgemeinen hat man gemerkt, dass enorm viel Eigeninitiative in die jeweiligen Räume gesteckt wurde, damit das individuelle Atelier auch möglichst alle Bedürfnisse des Künstlers abdeckt. Die semiprofessionellen Do-it-yourself Ausstattungen, betroffen sind dabei Bereiche wie Raumaufteilungen, Elektro- und Sanitärinstallationen oder auch Gemeinschaftsplätze wie Wohnzimmer oder Küchen, zeugen in allen Fällen von einer kollektiven Energie der Künstlerinnen und Künstler. Abgerundet wurde der Tag der offenen Ateliers von den durchwegs gastfreundlichen Künstlerinnen und Künstler, die eine reichhaltige und teils exotische Kulinarik für die Besucher geboten haben.

 

Der Tag der offenen Ateliers wurde von Pulk in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Luzern organisiert. Die Ausstellung «Das Atelier. Orte der Produktion» ist im Kunstmuseum Luzern noch bis zum 29. Juli 2012 zu sehen.

 

Michael Sutter