Barbara Mühlefluh – «Nicht-kommunizierende Körper»


Barbara Mühlefluh ist zu Gast in der Galerie Apropos in Luzern. Ihre Installation ist eine vielschichtige Auseinandersetzung mit der Modernität von Kommunikation.

 

Die kleine Galerie Apropos ist zu einem Kommunikationsraum geworden, der ohne eigentliche Kommunikation auskommt. Barbara Mühlefluh platziert im Galerieraum insgesamt sieben nicht-kommunizierende Körper mit identischer Haltung, Grösse und Materialität. Allesamt sind mit kabellosen Kopfhörern ausgestattet, welche die Konnektivität und den Empfang von Kommunikation garantieren und durch ein inszeniertes WLAN-Netz gestützt werden. Die Figuren vermitteln durch ihre lethargische Haltung eine Form der Teilnahmslosigkeit und ein Desinteresse gegenüber anderen Individuen. Sie wirken in sich gekehrt, realitätsfremd und egozentrisch. Die rudimentären Körperformen ergeben sich aus einer Kombination von farbiger Plastikklebefolie, gefüllt mit Bauschaum und Abfallmaterialien aus dem Atelier. «Müll innen, Müll aussen!», meint Barbara Mühlefluh und verweist auf die menschliche Plastikwirtschaft und die Sinnlosigkeit vieler Kommunikationsbeiträge aus unserem Alltag. Beschrieben sind die Körperhüllen mit Wörtern, Sätzen und Symbolen aus dem alltäglichen Kommunikations- und Informations(über)fluss. Radionachrichten und TV-Sendungen bilden, ebenso wie flüchtig aufgeschnappte Gesprächsfragmente von telefonierenden Passanten, die Grundlage für die individuelle Beschriftung der Körper. Die rasante Entwicklung der Kommunikation und die damit verbundenen technischen Errungenschaften haben dem Menschen das Leben in vielen Bereichen vereinfacht, was sich vielfach in einer übermässigen Bequemlichkeit erkennen lässt; man bestellt per Knopfdruck die gewünschten Lebensmittel nach Hause oder schreibt kurzerhand eine E-Mail aus dem Ferienurlaub. Diese phlegmatische Attitüde widerspiegelt sich bei den Körpern auch in der Form der Beine und dem Fehlen der Füsse und Schuhe. Während die Beine eine bequeme Kissenform suggerieren, sind alle Schuhe feinsäuberlich in einer anderen Ecke der Galerie platziert und warten auf ihren Gebrauch. Im kleinen Nebenraum sind die notwendigen Akkus am laden. Wer heutzutage über moderne Kommunikationsmittel verfügt, ist zwangsmässig mit einer Vielzahl von Ladegeräten unterwegs. Denn wer will schon nicht erreichbar sein?

 

Bis 5. Mai, Galerie Apropos Luzern (DO 17 bis 20 Uhr, FR/SA 14 bis 18 Uhr)

 

Michael Sutter