Heidi Gassner – «Dialog mit Raum»


 

Vernissage: 10. Februar 2012, 18 Uhr, gepard14

Lesung mit Regula Imboden, Schauspielerin

Öffnungszeiten: 11./22. November 13-18 Uhr

 

In der aktuellen Ausstellung im gepard14 besiedeln Worte den Raum. Worte, welche die Künstlerin Heidi Gassner (*1944) aus der Aktualität des Alltags entzieht und die massgeblich an der Entwicklung ihrer Raumintervention beteiligt waren. Die Worte sind zwar begrenzt lesbar, doch vermitteln sie als reine Schriftbilder den Inhalt durch ihre spezifische Form und prägen Heidi Gassners Dialog mit dem Raum. Als Konsumentin aktueller Nachrichten, mit Fokus auf Kunst und Kultur, ergibt sich ihr Wort-Fundus durch intuitives Protokollieren von Fernseh- und Radiosendungen, zeitgenössischen Ausstellungen, Filmproduktionen oder Zeitungsberichten. Die Worte werden im gepard14 in assoziierte ornamentale und skulpturale Schriftbilder einbeschrieben und wirken als Hommagen an herausragende Persönlichkeiten der Kunstgeschichte. Akribisch komprimiert und aufgezeichnet verweist Heidi Gassner in ihre Raumintervention an die künstlerischen Werke von u.a. Matias Spescha, Louise Bourgeois, Daniel Buren oder Michael Landy. So scheint die kurzzeitig auf dem Bundesplatz in Bern präsentierte Skulptur „Maman“ von Louise Bourgeois einen Zwischenhalt im gepard14 zu machen. „Begeisterung, Ablehnung, Atelier, Spezifischer Raum, Ort, Verändern, Mit dem Ort eins sein, Küche“ sind die ersten Begriffe im Protokoll eines aktuellen Fernsehbeitrages über den Konzeptkünstler Daniel Buren. Als dessen Markenzeichen gelten Streifen in unterschiedlichen Farben, die immer exakt 8.7 cm breit sind. Aufgegriffen von Heidi Gassner, wird die Streifensymbolik in einen altehrwürdigen Holzrahmen verpackt und erhält einen gewissen Gefängnischarakter. Aus dieser fingierten buren’schen Zelle könnten die sich im Raum grazil bewegenden Geparden ausgebrochen sein. Eine Dokumentation über Matias Spescha veranlasste Heidi Gassner zu einer Hommage an die radikal-zurückhaltende Formensprache und die instinktiv rhythmisierten Bildflächen des Schweizer Künstlers. Als starke Gegenposition wirkt das kompliziert-verzweigte Ornament, gefüllt mit den Stichworten zum Beitrag über Matias Spescha. Die von Heidi Gassner aus der Aktualität und Spontanität des Alltags gewonnene Inspiration ergibt im gepard14 ein breites Geflecht von Worten, die Informationen, Verweise und Bezüge zur gegenwärtigen Rezeption von Kunst und Kultur vermitteln. Neben den Worten besiedeln auch Ameisen den Raum im gepard14. Die kleinen Künstler sind die leisen Eroberer der Ausstellung und bilden durch ihre Strasse eine komplexe Verknüpfung zwischen den Exponaten und bezwingen dabei jegliche Art von Grenzen im Raum. Zusätzlich ist die Ameisenstrasse im gepard14 die Schnittstellen zwischen Innen- und Aussenraum und legt die Fährte zur Integration der Telefonzelle in die Ausstellung. Ein Verbindungselement in die entgegengesetzte Richtung ist die Nachzeichnung von Luciano Andreanis Installation „Goldener Stuhl“, welche die Verlinkung mit dem Aussenraum gewährleistet und eine geschwungene Formgebung in den Dialog mit dem Raum transferiert.

 

Michael Sutter